Sonntag, 2. Juli 2017

Rezension: #fingerweg von Susanne Fülscher

#fingerweg

Autorin: Susanne Fülscher
erschienen Dezember 2016
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31543-4
© Carlsen
aufwühlende Umsetzung eines ernsten Themas

Nach dem Abi wird für Lisa ein Traum war. Sie erhält einen Praktikumsplatz bei dem berühmten Film-Produzenten Maxime Léon. Doch schnell wird der Traum zum Albtraum, denn ihr Chef bedrängt und berührt sie immer wieder. Aus Angst, ihre Zukunftschancen zu verbauen, schweigt der Teenager lange...

#fingerweg behandelt mit der sexuellen Belästigung ein sehr ernstes Thema. Obwohl ich die Altersempfehlung ab 12 Jahren für etwas früh halte, ist die Thematik mit einer klaren Aussage umgesetzt.

Lisas Konflikt wird immer wieder deutlich. Da sie die Ich-Erzählerin ist, kann der Leser an ihren vielfältigen Gefühlen und Gedanken teilhaben. Sie hat Angst, sie schämt sich, ist verzweifelt. Das Dilemma wird immer größer. Lisa hofft, eine gute Bewertung ihres Praktikums kann ihr die Türen für ihre Zukunft öffnen. Sie will es nicht einfach abbrechen und diese einmalige Chance wegwerfen. Doch auch die Angst vor ihrem Chef wächst stetig. Und mit jeder Berührung und jedem anzüglichen Kommentar steigt auch ihre Scham. Lisas Umfeld bekommt von alledem nichts mit.
Der Kampf, den sie mit sich selbst führt, ist nachvollziehbar geschildert.

Am Ende des Buches fehlte mir etwas – zunächst irgendwie und dann doch wieder nicht.
Denn die Message des Buches ist dennoch sehr eindeutig. Vielleicht geht es gar nicht immer zwingend darum, welche Strafe ein Täter bekommt, sondern vielmehr darum, dass ein Opfer den Mut aufbringt, sich jemandem anzuvertrauen, über das Erlebte zu reden und wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Dies wird dank Lisa auf jeden Fall deutlich, auch wenn es lange dauert, bis sie dazu bereit ist.

Ein ernstes Jugendbuch mit jugendlich, lockerem Erzählstil. Die Handlung ist nicht im klassischen Sinne spannend. Aber sie ist aufwühlend, schockierend. Und zeigt, dass man sich wehren sollte, da die Belästigung sonst nicht aufhören wird. Lisas vielfältigen Gedankengänge sind nachvollziehbar geschildert, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann und versteht, welch schwerer Weg es für sie ist.

Kommentare:

  1. Huhu Anja,

    ich hab das Buch auch schon vor einem Weilchen gelesen und hatte einen sehr ähnlichen Leseeindruck wie du. Ein Buch, welches auch zum Nachdenken anregt!

    Liebe Grüße
    Katharina

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  2. Oh, ein unschönes Thema in einem Buch untergebracht, dass finde ich immer schwierig. Aber Dich scheint es gut mitgerissen zu haben. ☺

    ♥liche Grüße - Lenchen

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