Donnerstag, 31. August 2017

Rezension: Die weiße Libelle von Alexander Ruth

Die Weiße Libelle

Autor: Alexander Ruth
erschienen Juni 2017
ISBN: 978-3000573545
©
buntes Fantasyabenteuer mit Schwächen

Die weiße Libelle ist ein Piratenschiff, deren Crew aus verschiedensten Märchenwesen sich dem Schutz der Meere verschrieben hat. Als die Nordsee in Gefahr gerät, macht sich die Weiße Libelle mithilfe ihrer magischen Seekarte auf, um das Böse aufzuhalten...

Die Weiße Libelle ist ein buntes Abenteuer mit farbenfrohen Figuren. Langweilig wird es in der verrückten Geschichte nicht. Bei ihrer Reise über die Nordsee stellt die Crew eine Bedrohung fest, die es zu besiegen gilt. Allerdings werden ihnen auf den Weg dahin noch etliche Steine in den Weg gelegt. Es gibt immer wieder überraschende Hindernisse, deren Beseitigung mir insgesamt aber leider durchweg zu einfach vonstatten ging. Für jedes fantastische Ereignisse gab es eine noch fantastischere, fixe Lösung.

Zwar liebe ich die Mischung vieler ungewöhnlicher Fantasywesen, hier kommen allerdings arg viele Figuren zusammen. So gibt es beispielsweise Schmetterlinge, Mini-Elefanten, Osterhasen, Ghettoeinhörner und Weihnachtselfen mit Kameratick auf dem regenbogenfarbenen Schiff. Ich empfand die Mischung der Figuren einerseits als zu niedlich und ihr Verhalten andererseits als zu schräg.
Zwar wollen sie die Weltmeere und damit die ganze Menschheit retten, dazwischen verbringen sie allerdings sehr viel Zeit damit, Süßes zu naschen, in der Sonne zu faulenzen oder bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit Fotos zu schießen.
Es fehlt die eine Hauptfigur, mit der man wirklich mitfiebert und in die man sich hineinversetzen kann. Die ganze Geschichte ist vor allem schräg und bunt. Die Charaktere an sich bleiben recht blass. Man erfährt wenig über sie, es gibt keine Entwicklung über die Geschichte hinweg, ihnen fehlt die Tiefe.
Dazu muss ich sagen, dass ich die vorherigen Schmetterlingsgeschichten nicht gelesen habe. Vielleicht hätte man die Piraten dort schon besser kennengelernt? Inhaltliche Lücken entstehen dadurch aber nicht, die Figuren erinnern sich zwar an vorherige Abenteuer, Vorwissen ist aber nicht notwendig.

Aufgrund der einfachen, bildhaften Sprache liest sich die Geschichte recht schnell. Allerdings ist die Erzählweise eher kindlich. So gibt es beispielsweise viele laaaang gezogene Vokale und allerlei Lautsprache – platsch, platsch, platsch und blubb, blubb, blubb.
Problematisch finde ich auch die übertriebene Zeichensetzung. Selten bleibt es bei einem Satzzeichen, eher finden sich zwei bis drei Frage- sowie Ausrufezeichen hintereinander. Darüber hinaus gibt es zahlreiche ... unterbrochene Sätze. Meinem Lesefluss schadet dies eher, als eine entsprechende Wirkung zu erzielen.

Meeresverschmutzung


Besonders die Kombination aus Fantasygeschichte und Umweltschutzthema hat mich neugierig auf dieses Buch gemacht. Leider ist diese Verbindung für mich aber nicht durchweg gelungen.
Zwar wird die Umwelt-Thematik immer mal wieder angesprochen und beispielsweise eindringlich auf die Ozeanverschmutzung und die damit verbundenen Konsequenzen für die Meeresbewohner hingewiesen, insgesamt hätte ich mir diesen Aspekt aber etwas präsenter gewünscht. Wenn die Meeresverschmutzung aber aufgegriffen wird, wird teilweise auf den WWF oder naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse verwiesen. Dadurch wird die ganze Thematik sehr theoretisch und fügt sich nicht so recht in das Fantastische ein – gerade hineingefunden reißen die nüchternen Aufzählungen einen direkt auf Seite 3 schon wieder aus der märchenhaften Erzählung.
Diese realen Schilderungen benennen den Menschen auch klar als Ursache für das Problem. Der Ausgang der Geschichte allerdings nimmt den Menschen leider komplett aus der Verantwortung. Der Mensch kann eigentlich gar nichts dafür, ist die unglückliche Aussage, die am Ende hängen bleibt.

Fazit


Und so stellte sich mir beim Lesen auch immer wieder die Frage nach der Zielgruppe. Das empfohlene Lesealter wird ab 13 Jahren angegeben. Richtig passend erscheint mir dies nicht.
Es ist ein spaßiges Abenteuer mit bunten, eher kindlichen Figuren (Osterhasen und Weihnachtselfen...) und einfacher Sprache. Für ein Jugendbuch fehlt es mir aber an Tiefe. So bleiben die Charaktere sehr blass; die Handlung ist zwar ereignisreich, gibt den Figuren aber keine ernsthaften Hindernisse. Der knifflige Spagat zwischen Fantasy und realer, mit Fakten belegter Umweltverschmutzung kommt für mich zu einem unglücklichen Ergebnis.

Wer kunterbunte, ereignisreiche Lesestunden erleben möchte, bei denen er in die schräge Welt der zahlreichen Märchenfiguren abtauchen möchte, ist mit dem Buch aber auf jeden Fall gut beraten.
Für mich wäre es eher ein Buch zum (Vor-)Lesen für Kinder.


Ich danke Autor Alexander Ruth für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hey Anja,

    zu Beginn hatte ich noch das Gefühl, dass ein interessantes Buch sein könnte. Aber ich denke, dass mich diese nicht vorhandene Hauptperson etwas stören würde. Ich brauche einen oder vereinzelt mehrere Personen an die ich mich hängen kann um eine Geschichte so richtig miterleben zu können. Nach deiner letztendlichen Meinung bleibe ich aber dabei, dass es wohl einfach nicht so wirklich etwas für mich wäre :)

    Liebe Grüße, Ruby

    AntwortenLöschen
  2. Hey Anja,

    ich habe bei den Charakteren ähnlich empfunden wie du. Sie hätten durchaus mehr Tiefe haben können, ansonsten fand ich das Buch nicht schlecht.

    Liebe Grüße
    Sandra

    AntwortenLöschen