Montag, 4. September 2017

Rezension: Sublevel. Zwischen Liebe und Leid von Sandra Hörger

Sublevel 1
Zwischen Liebe und Leid

Autorin: Sandra Hörger
erschienen August 2017
ISBN: 978-3-646-60304-0  (epub)
 © Impress
Ich brauche die Fortsetzung – sofort!

Sunrise Garcia, genannt Rise, hat als Hoffnungsträgerin das Glück, auf eine gute Schule zu gehen. Ihre Ausbildung ist die Voraussetzung, um ihre Familie eines Tages aus der Armut zu holen. Dementsprechend hoch ist der Leistungsdruck. Doch die Ereignisse um den Präsidentensohn Corvin bringen auch ihr Leben gehörig durcheinander...

Der Einstieg ins Buch fiel mir nicht ganz leicht, die zukünftige Weltraumwelt erschloss sich mir nicht immer sofort. Doch nach und nach klären sich die Details und das Buch konnte mich immer mehr in seinen Bann ziehen. Am Ende war ich so gefesselt von der Geschichte, dass ich den ganzen Tag noch das Bedürfnis hatte, schnell zum Buch zu greifen und weiterzulesen – nachdem ich schon längst fertig war...

Die Geschichte spielt mehr als 200 Jahre in der Zukunft in einem riesigen Raumschiff, welches in mehrere Ebenen unterteilt ist. Ganz oben lebt die Regierung, darunter die reicheren Bewohner in luxoriösen Wohneinheiten, während sich in den untersten Etagen vielköpfige Familien ein kleines Zimmer teilen und ihr Essen aus dem Müll der Reichen gewinnen. Die sozialen Unterschiede sind  erschreckend und bergen bereits einiges Konfliktpotential.

Die 17-jährige Rise kennt sowohl das Leben unten als auch oben. Sie stammt aus dem Sublevel, hat aber das Privileg, weiter oben zur Schule gehen zu dürfen. Doch die Verantwortung, die damit verbunden ist, ist riesig. Auf Rise lastet ein großer Druck, die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben hat sie nicht. Die Last, die sie trägt, schwingt in all ihren Gedanken mit. Jede ihrer Entscheidungen trifft sie für ihre Familie. Doch dann geraten die Ereignisse völlig aus dem Ruder. Rise wird mit mehreren unerwarteten Situationen konfrontiert, denen sie sich mutig stellt. Da sie die Ich-Erzählerin der Geschichte ist, bekommt der Leser intensive Einblicke in das Gedanken- und Gefühlschaos, welches dabei ausgelöst wird.

Corvin ist ein ebenso facettenreicher Charakter. Als Sohn des Präsidenten schaut die ganze Bevölkerung auf ihn. Mit der geplanten Mission zur Erde trägt er eine große Verantwortung und ein ebenso großes Risiko. Dass er sich offen seinem Vater widersetzt sorgt für angespannte Situationen, macht ihn aber umso sympathischer.

Die Handlung ist unglaublich spannend und abwechslungsreich. Corvins Frauenwahl, die von den Medien auf jedem Schritt verfolgt wird, sorgt für ziemliches Chaos – nicht nur bei den jungen Frauen, sondern auch bei der Regierung. Doch die Mission scheint von Beginn an gefährdet und schnell kann der Leser über die Hindergründe miträtseln. Es werden nicht nur vor der Kamera Wortgefechte ausgetragen, sondern scheinbar auch allerlei Intrigen im Hintergrund gesponnen. Und mittendrin befindet sich eine Horde junger Menschen, deren Hormone verrückt spielen. Die Handlung wird zum Ende hin immer dramatischer und emotionaler. Leider endet das Buch dann an einer sehr offenen Stelle. Fragen sind bis hier hin noch keine geklärt, es bleibt Raum für viele Spekulationen... Ich würde am liebsten sofort weiterlesen.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Während die oberen Schichten viele lateinische Ausdrücke verwenden, sprechen die tieferen Bevölkerungsschichten Sublevel-Slang, der aussieht wie Englisch in Lautsprache geschrieben. Die meisten der „englischen“ Brocken war leicht zu identifizieren, Latein kann ich hingegen nicht. Zwar hat Rise durchweg alles übersetzt, ich hätte aber auf beides – auch wenn es die sozialen Unterschiede verdeutlich – gut verzichten können. Alles Lateinische habe ich nicht mal versucht zu lesen... Letztlich hat dies zwar meinen Lesefluss an einigen Stellen beeinflusst, konnte die packende Handlung aber nicht ernsthaft stören.

Nachdem ich mich in das ebenso faszinierende wie auch erschreckende Leben auf der Sphaera eingelesen hatte, habe ich das Buch geradezu verschlungen. Die Handlung ist absolut fesselnd, da es viele unerwartete Wendungen und unaufgeklärte Vorfälle gibt. Die emotionale Achterbahnfahrt der Charaktere, besonders von Rise, ist dank ihrer bildhaften, gefühlsgeladenen Erzählweise gut nachvollziehbar.

Ich danke dem Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hey Anja,

    dieses Buch hat mich tatsächlich auch sehr neugierig gemacht, aber letztlich habe ich es zeittechnisch nicht unterbekommen. Nun steht es auf der WuLi und nach deiner Rezension muss ich es wohl unbedingt mal lesen. Es klingt mehr als vielversprechend <3

    Liebe Grüße, Ruby

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    1. Huhu,
      ich finde diese Raumschiff-Dystopien ja ohnehin total spannend und hier kommen tolle Ideen zusammen. Aber auch die Figuren haben mir einfach gefallen. Ich finde, es lohnt sich :)
      LG anja

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